Welche Presse ist die richtige für mich?

Hilfe, ich möchte mit Letterpress anfangen

Letztens, beim Stöbern in alten Fotos, bin ich über ein paar Bilder meiner ersten „Druckpresse“ gestolpert – damit hat alles angefangen (und erstmal auch ziemlich schnell wieder aufgehört) im Frühling 2012. Mein erstes Schätzchen war eine Adana HS 2, die denkbar schlechteste Art von Presse, wenn man mit dem Buchdruck – besonders Letterpress – beginnen will. Und ja: Mir wurde anfangs natürlich ausführlichst von dieser Presse abgeraten, und ich wollte natürlich auch ganz ausführlichst nicht darauf hören – man kennt das ja.

Jedenfalls war sie schnell gekauft und sie war so süß, so klein, und so grün! Wie ein kleiner Laubfrosch! Naja, fast. Ich war eifrig bei der Sache, recherchierte, was das Zeug hielt, wusch Klischees im Waschbecken, druckte Filme mit dem Laserdrucker und Tonerverdichterspray (was natürlich nur so semi gut funktionierte) – und fiel‘ alle Nase lang auf eben diese. Nicht wörtlich, natürlich. Aber es reichte, um das Frustlevel konstant weit oben zu halten.

Also wanderte die Adana langsam vom Arbeitstisch zum Bücherregal, vom Bücherregal in einen großen Karton, und dann in den Keller. Und da verblieb sie dann auch eine geraume Weile, bis ich mich dazu entschloss, sie zu verkaufen. Aber nun ja, wie das immer so ist: Ich holte sie eines Tages nach oben, um sie zu säubern und für den Verkauf zu fotografieren und ertappte mich noch am selben Abend beim Drucken.

Die Einschränkungen mit so einer winzigen Presse – eigentlich eher einem Spielzeug – merkt man beim Drucken allerdings schnell. Die maximal druckbare Fläche bei einer Adana HS 2 liegt bei 10 x 15 cm. Das bedeutet, die Fläche, die mit einem Klischee wirklich sauber druckbar ist, liegt ungefähr bei 5 x 7,5cm. Das ist nicht ganz eine Standard-Visitenkarte. Puh! Und wenn man jetzt noch gerne mit ein bisschen Punch drucken möchte, also mit ein wenig Prägung, dann packt diese kleine Adana ungefähr eine Fläche von 3 x 3 Zentimeter. Weiches Baumwollpapier vorausgesetzt. Äh, ja. 😉

Letztendlich zog die kleine Adana dann doch recht fix aus und machte Platz für zwei A4-Boston Tiegel mit Tellerfarbwerk. Diese beiden Tiegel (welche pro Stück zwischen 130 und 200 Kilo wiegen) spielen dann doch in einer anderen Liga. Die kleine Adana wog ungefähr 10 Kilo – als kleiner Vergleich.

Solltest Du über Google auf diesen kleinen Text gestoßen sein, weil Du Dich fragst, welche Presse geeignet ist, wenn Du mit Letterpress anfangen möchtest, dann lass Dir gesagt sein: Nicht die Adana HS 2 😉

Fang mit einer „echten“ Presse an. Boston-Tiegel bzw. kleine Tabletop-Pressen sollten wirklich mindestens A5-Format haben, A4 ist noch besser. Ja, die sind groß, ja, die sind schwer, und nein, die sehen auch nicht so klein und süß aus wie eine Adana. Aber die Vorteile einer gußeisernen Presse sind groß: Sie stehen stabil, sie haben richtig „Biss“ (und das suchst Du ja sicher, wenn Du „Letterpress“ – also mit Prägung – drucken möchtest) und sie brechen auch nicht so leicht. Caslon verkauft mittlerweile die Adana 8x5C, mit einem verstärkten Aluminium-Korpus, der den Belastungen des Prägedrucks standhalten soll, aber ich würde Dir trotzdem eher zu einem alten gußeisernen Boston-Tiegel raten. Diese sind mittlerweile nicht mehr so einfach zu finden, aber wenn Du es nicht ganz so eilig hast und auf eBay Kleinanzeigen Ausschau hälst, wirst Du irgendwann fündig.

Das Druckprinzip dieser Pressen ist einfach: Der Platen – das ist die Platte, auf der das zu bedruckende Papier liegt – wird durch einen Hebelzug gegen die Druckvorlage gepresst – wie eine Muschel, die zuklappt. Um so besser die Presse ist, um so weniger eigene Körperkraft muss man aufwenden, um den maximalen Druck aufzubauen. Bei meinen Tellertiegeln käme am Ende fast die selbe Prägung zustande, egal ob ich den Hebel betätige oder ein ein klitzekleines 5jähriges Mädchen (vorausgesetzt das kommt an den Hebel ran 😉 ).

Bei der kleinen Adana ist der Hebel aber direkter, d.h. es muss häufiger mehr Kraft angewandt werden, um den Druckpunkt zu überwinden. Wenn nun der Aufzug nicht optimal passt und der Widerstand zu hoch ist, kann der Korpus oder der Hebel brechen. Im schlechtesten Fall kann man das auch nicht mehr reparieren, und das wäre doch schade um die Presse. Daher: Größer und dabei nicht das ganze Format ausnutzen ist besser als kleiner und an die Grenzen stoßen.

Mittlerweile drucke ich schon ein paar Jahre. Zuerst nur meine persönlichen Dinge wie Visitenkarten, Prägungen auf Verpackungen, Labels, Tags, Dankeskarten… Dann für den Bekanntenkreis und seit kurzem auch für meine Kunden. Meine Klischees wasche ich auch nicht mehr im Waschbecken, sondern habe einen „echten“ Belichter mit Auswascheinheit. So sind Ergebnisse immer reproduzierbar und professionell.

Das ist kein Blog.

Genau genommen weiß ich nicht wirklich, wie man diese Rubrik hier nenne könnte. News sind es nicht, denn so viele spannende Neuigkeiten habe ich gar nicht zu verkünden. Ein Blog ist es auch nicht, denn regelmäßig über ein Thema zu bloggen, ne, da bin ich nicht der Typ für. Vielleicht nenne ich diese Rubrik einfach „Lesestoff“, denn ich würde mir auch nicht anmaßen, zu behaupten, hier über bahnbrechende Neuerungen oder großartig wissenswerte Dinge zu berichten. Also, Lesestoff über Letterpress und allem, was dazu gehört.

© 2020 Ines Opifanti / LilaLetterpress